Von der Weststeiermark nach Europa

42 unmittelbar nach Kriegsende zum Landesverweser und Wirtschaftskommissar der Steiermark aufgestiegen. Außerdem saß er für die Deutschnationale Partei in der Konstituierenden Nationalversammlung. Als Vorstandsmitglied des Verbandes der österreichischen Industriellen war er mit den führenden Persönlichkeiten der österreichischen Wirtschaft vernetzt. Seine Verbindungen nutzte er in der Folge, um 1921 in den Verwaltungsrat der GKB gewählt zu werden. Ein Jahr später übernahm der Jurist Wutte, welcher bereits 1912 die Kohlenwerksgesellschaft m.b.H. imWieser Raum gegründet hatte, als Prä - sident die Führung des Unternehmens. In der Folge baute er seine Machtposition sehr schnell aus. Wutte schaffte es nach einiger Zeit, auch eine Fusion seiner Koh - lenwerksgesellschaft m.b.H. mit der weitaus größeren GKB durchzusetzen. Vor Vet - ternwirtschaft schreckte er ebenfalls nicht zurück. So wurden seine beiden Schwa - ger Viktor und Rober Czerweny in die Geschäftsführung berufen. Unter Wuttes Führung wurden teils dubiose Investitionen immer höher, während die Beteiligun - gen an Transparenz verloren. Ein weiterer schwerer Schlag war die einsetzende Hyperinflation des Jahres 1923. All diese Entwicklungen drängten die GKB an den Rand des Ruins. Übernahme des Bahnbetriebs Noch schlimmer wurde die Südbahn von der Wirtschaftskrise getroffen. Nach anhaltender wirtschaftlicher Erfolglosigkeit und der Unsicherheit durch die Auf - teilung der Vermögenswerte an die k.u.k. Nachfolgestaaten, welche sich unter Füh - rung einer internationalen Kommission bis 1923 hinzog, erfolgte schließlich am 15. Dezember 1923 die Eingliederung in das staatliche Unternehmen Österreichische Bundesbahnen. Dieses war als Nachfolgegesellschaft der k.k. österreichischen Staatsbahnen zunächst unter dem Namen Deutschösterreichische Staatsbahnen gegründet worden. Nach dem Abschluss des Vertrages von Saint-Germain wurde es aufgrund der Namensänderung der Republik in Österreichische Staatsbahnen umbenannt. Im Rahmen des im Juli 1923 verabschiedeten Bundesbahngesetzes erfolgte die Umbenennung in Österreichische Bundesbahnen. Die Gesellschaft durfte sich kurioserweise nicht wie heute ÖBB als Kürzel geben, da in der Schweiz die gerade einmal 4 Kilometer lange Oensingen-Balsthal-Bahn so bezeichnet wurde. Deshalb war in der Zwischenkriegszeit BBÖ die übliche Kurzbe - zeichnung. Mit 1. Jänner 1924 übernahmen die Österreichischen Bundesbahnen als Nachfolger der Südbahn auch die Betriebsführung der GKB. Dieser Zustand sollte jedoch nicht von langer Dauer sein. Die risikofreudige Unternehmensführung der GKB unter Dr. Wutte strebte nämlich umgehend die Übernahme der Betriebsfüh - rung von der BBÖ an. Die Bundesbahnen waren diesem Vorhaben nicht abgeneigt.

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