Von der Weststeiermark nach Europa

96 Rückgang der Transportleistung im Eisenbahnbereich Analog zum Rückgang der Fördermenge im Bergbau sank auch die Güterverkehrs - leistung der GKB. Bereits 1975 wurden nur noch 1,45 Millionen Tonnen Waren transportiert. Damit sank das Frachtaufkommen unter jenes der Kriegsjahre 1943 und 1944. Dieser Abwärtstrend setzte sich ungebrochen fort. 1977 lag die Güter - verkehrsleistung nur noch bei 1,35 Millionen Tonnen. Im Vergleich zum Beginn des Jahrzehnts bedeutete dieser Wert einen Rückgang von mehr als 20 Prozent. Im Jahr 1977 ging auch die Ära der Dampflokomotiven bei der GKB zu Ende. Diese hatte deutlich länger als 100 Jahre angedauert. Letztlich war die Modernisierung des Fuhrparks jedoch unumgänglich geworden. Ein Großteil der Dampflokomotiven wurde verschrottet, einige wurden verkauft. Drei Dampflokomotiven behielt die GKB jedoch zunächst. Zwei sollten museal bewahrt werden und eine vorläufig als Betriebsreserve bereitstehen. Diese, die Lokomotive 50.1171, kam tatsächlich noch einmal zum Betriebseinsatz. Zwischen 10. und 16. Jänner 1979 führte sie den abendlichen Eilzug E 973 von Graz nach Wies- Eibiswald und den Frühpersonenzug 8522 in die Gegenrichtung. Diese Fahrten gin - gen als die letzten fahrplanmäßig mit einer Dampflokomotive durchgeführten Per - sonentransporte in Österreich in die Geschichte ein. Der Grund für diesen Einsatz war nicht Triebfahrzeugmangel, sondern der zufällige Ausfall beider Heizwägen. Deshalb musste zum Zwecke der Spantenwagenbeheizung die Dampflokomotive eingesetzt werden. Das lange Festhalten der GKB am Dampfbetrieb hatte zur Folge, dass zahlreiche Lokomotiven so lange in Verwendung blieben, bis man deren historischen Wert erkannte. Heute sind insgesamt noch 17 dieser Exemplare, welche einst ihren Dienst bei der GKB verrichteten, erhalten. Sie gelangten in Museen oder zu Museumsbah - nen in Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn und Slowenien. Mit der Ältes - ten, welche aus dem Jahr 1848 stammt, und der Jüngsten, die 1943 gebaut wurde, dokumentieren diese Lokomotiven die Geschichte des Dampflokomotivbaus von der Frühzeit bis zu seinem Ende. Die zuletzt noch gelegentlich für Sonderfahrten eingesetzte 50.1171 wurde 1994 an die Dampflok-Betriebsgesellschaft Brenner & Brenner in Wien verkauft. Danach verblieben der GKB nur mehr die nicht mehr betriebsfähige 56.3115 und die betriebsfähige 671. Bis heute befinden sich beide Exemplare im Besitz der GKB. Auf die Verwendung der historisch überaus wertvol - len Dampflokomotiven wird an späterer Stelle noch genauer eingegangen. Noch dramatischer als imBahnbereich fiel der Einbruch des Frachtverkehrsaufkom - mens der Kraftwagensparte aus. Damit setzte sich ein seit längerer Zeit bestehen - der Trend fort. Dieser wurde durch den Ölschock des Jahres 1973 verstärkt. Neben diesem geopolitischen Ereignis trug auch die Tatsache, dass immer weniger Unter - nehmen Kohle als Heizmittel einsetzten, zum Einbruch der Güterverkehrsleistung bei. Nachdem das Frachtverkehrsaufkommen drei Jahre in Folge sank, transpor -

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