Von der Weststeiermark nach Europa

95 selung der Fördermenge durch die Staaten der OPEC führte der Welt die Gefahren der Fixierung auf den beliebten Rohstoff vor Augen. Dadurch wurde Kohle wieder deutlich beliebter. Neben dem Ölpreisschock sorgte vor allem das Projekt Groß - tagbau Oberdorf für eine Sicherung des Kohlenbergbaus in der Weststeiermark. Die Prospektionsarbeiten dafür begannen im August 1973. Von den insgesamt 30 Millionen Tonnen des geschätzten Kohlenvorrats sollten, wie erwähnt, eine Million pro Jahr fix an das neue Dampfkraftwerk geliefert werden. Um die notwendigen Investitionen vornehmen zu können, erhielt die Bergbausparte der GKB alleine im Jahr 1975 aus staatlichen Bergbauförderungsmitteln Zuwendungen von 130 Millio - nen Schilling. Während die Arbeiten am Großtagbau Oberdorf voranschritten, kam es auch in anderen Gebieten des weststeirischen Reviers zu einschneidenden Veränderun - gen. 1974 konnte nach einer erfolgreichen Intervention der GKB bei Bundeskanz - ler Kreisky die Kohlenförderung in der Grube Zangtal und damit 230 Arbeitsplätze gesichert werden. Keine Zukunft hatte dagegen der Bergbau im Bezirk Deutsch - landsberg. Am 30. Dezember 1975 schloss die Grube Bergla endgültig ihre Pforten. Damit endete die länger als 100 Jahre währende Geschichte des Bergbaus im Bezirk Deutschlandsberg. Nur knapp zwei Wochen zuvor stellte die Kohlentrocknung in Bärnbach den Betrieb ein. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Förder - menge in der Mitte des Jahrzehnts zurückging. 1977 wurden nur noch 1,75 Millionen Tonnen Kohle abgebaut. Im Vergleich zum Jahr 1970 bedeutete dies einen Rück - gang von mehr als 20 Prozent. Seit 1949 war im weststeirischen Revier nicht mehr so wenig Kohle gefördert worden. Nach der Einstellung des Betriebs der Gruben Bergla und Fohnsdorf beschränkte die Bergbausparte der GKB ihre Investitionen auf den Bezirk Voitsberg. Dort konn - ten die Aufschließungsarbeiten amGroßtagbau Oberdorf bis 1977 beendet werden. Insgesamt hatte das Projekt einen kreditfinanzierten Investitionsaufwand von 700 Millionen Schilling an Finanzmitteln in Anspruch genommen. Der neue Tagbau, wel - cher in den folgenden Jahrzehnten das Rückgrat der Kohlenindustrie in der West - steiermark bildete, wurde am 12. Oktober 1977 von Bundeskanzler Bruno Kreisky feierlich eröffnet. Wie erwähnt, wurde die Förderung von 30 Millionen Tonnen Kohle geplant. Das dabei anfallende Abraumvolumen betrug 130 Millionen Kubik - meter. Damit wurde eine ähnlich große Menge an Erde bewegt wie beim Bau des Suezkanals. In den folgenden Jahren sollte es langsam, aber sicher wieder zu einem Anstieg der Kohlenfördermenge im weststeirischen Revier kommen. So konnten mittelfristig zahlreiche Arbeitsplätze gesichert werden. An der Tatsache, dass die Kohle kein Zukunftsrohstoff sein sollte, änderte sich aber nichts. Für die Wirtschaft des Bezirks Voitsberg war die vorübergehende Rettung des Bergbaus jedoch von großer Bedeutung.

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