Von der Weststeiermark nach Europa

92 Maßnahmen der Regierung Kreisky war auch die GKB direkt betroffen. Auf die Aus - wirkungen dieser Gesetze für das Unternehmen wird an späterer Stelle genauer eingegangen. Die Bergbausparte der GKB blieb in den ersten Jahren des neuen Jahrzehnts von Krisen verschont. Daher konnte die Kohlenfördermenge stabilisiert werden. Nach einem leichten Anstieg auf 2,3 Millionen Tonnen im Jahr 1971 sank sie bis 1973 wie - der. Insgesamt wurden in diesem Jahr 2,2 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Dies bedeutete gegenüber dem Beginn des Jahrzehnts lediglich einen minimalen Rück - gang von knapp über zwei Prozent. Interessanterweise kam es 1970 zu einer Wie - dereröffnung des Franzschachts, der infolge der Schlammkatastrophe geschlossen worden war. Bereits 1975 erfolgte jedoch die endgültige Stilllegung des traditions - reichen Bergbaus. 1972 wurde im Tagbau Josefschacht in Voitsberg die letzte Kohle gefördert. Das von der Regierung Kreisky verabschiedete Fusionsgesetz führte zu einer Neu - gliederung der verstaatlichten Industrie in Österreich. Diese betraf auch die GKB. Auf Basis des Bundesgesetzes zur Zusammenfassung der verstaatlichten Eisen- und Stahlindustrie kam es zu einer Verschmelzung der ÖAMG mit der VÖEST. Der neue Konzern trug den Namen VÖEST-Alpine AG. Die GKB war nun eine Tochter - gesellschaft des staatlichen Industrieriesen. Im selben Jahr wurde auch der erste Schritt in Richtung der langfristigen Sicherung des Bergbaus im weststeirischen Revier gemacht Dabei spielte die geplante Errichtung eines neuen braunkohlebe - feuerten Dampfkraftwerks in Voitsberg eine entscheidende Rolle. Die GKB verhan - delte mit der Österreichischen Draukraftwerke AG (ÖDK) einen auf 25 Jahre aus - gelegten Vertrag aus. Dieser umfasste eine jährliche Liefermenge von einer Million Tonnen Kohle. 1974 kam es schließlich zu einer Einigung. Von einem raschen Ende des Bergbaubetriebs der GKB, welches immer wieder im Raum stand, konnte nun keine Rede mehr sein. Die Güterverkehrsleistung der Eisenbahnsparte des Unternehmens konnte Anfang der 1970er-Jahre erstmals seit langer Zeit wieder Zuwächse verzeichnen. Diese waren vor allem auf die allgemein positive Wirtschaftslage zurückzuführen. 1973 wurden insgesamt 1,9 Millionen Tonnen Güter transportiert. Dies bedeutete vergli - chen mit dem Beginn der Dekade einen Anstieg von mehr als 10 Prozent. Seit 1968 war kein so hohes Frachtaufkommen mehr erreicht worden. Bis 1973 erwarb die GKB von denÖBB insgesamt 13 Fünfkuppler-Damplokomotiven der Baureihe 152. Mit der Beschaffung war bereits im Jahr 1968 begonnen worden. Die besagten Exemp - lare waren 1942 und 1943 von der Deutschen Reichsbahn angeschafft worden. Für den Transport von Gütern setzte die GKB in den frühen 1970er-Jahren letztmals auf den Ankauf von Dampflokomotiven. So wurden 1972 von der ÖBB drei Fünfkuppler der Reihe 50, welche schon ihren Dienst bei der Deutschen Reichsbahn verrichtet hatten, angekauft. Eines der erworbenen Exemplare fungierte jedoch lediglich als Ersatzteilspender. Der endgültig letzte Kauf einer Dampflokomotive wurde im Jahr

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